Freitag, 3. Juni 2016

Rede beim Empfang von UNAIDS zur Berlinale 2016 (14.2.2016)

I am very happy to be here with all of you today for this wonderful
occasion.

When Holger from Deutsche Aidshilfe asked me to join today for the presentation of a worldwide HIV-test-campaign my first thought was „Well, you’re almost six years too
late for me“.

My own test result felt like time traveling, but not in a good way. It threw me
back into the eighties and I saw all those horrible pictures of AIDS as we
knew it then. In one second I felt like I was going to die. Of course I knew that
that was not about to happen, but still I felt that way. At least for a brief
moment.

Now, nearly six years later, those time-travels still happen. Not just with me,
but with people I meet, or talk to. They don’t know what has happened since
1996, they don’t know what „undetectable viral load“ means. And to me that
seems like they live in an other time. And that happens to all of us HIVpositive
or HIV-negative.

Why is that? How can a virus, that still is able to kill us, that EVERYONE
can get, is such a tabu?

Sometimes my time-traveling-journeys make me very sad. That’s when I
have to hear „You’re gay. You knew that would happen to you.“ It’s so
easy to think „here is „us“ and there are „them“. „I’m good“ and they’re..
well… not good. And „they“ are „not good“ because „they“ did something
„wrong“. That can be sex (what I loooove), it can be drugs, or whatever.
They divide us into black and white, good and wrong, healthy and sick. And I
find this to be sick. This stigmatization has to come to an end. If we want to
fight AIDS, we have to fight stigmatization of people with HIV, of gays,
lesbians, drug users, sexworkers, well everybody who does not live a
„normal“ life. All of us are confronted with stigmatization, exclusion and
violence.

It’s fear that keeps us from going to an HIV-test. Fear to be / or become „one
of them“. We don’t want to be excluded, kept apart. And that’s the ankle!
That’s exactly what I love about that campaign: ProTest HIV. It’s a pro, but it’s
a protest, too!

Wherever one is forced to be different, not him or herself, one can not
flourish and there grows fear. And fear is never a good advisor.



For a society with #ZERODISCRIMINATION we have to fight fear to end
stigmatization. And we do that with education, with respect and with
acceptance of all individual livestyles. Only an educated, respectful and
accepting society, in which people with HIV and AIDS are included, can
face the challenges of HIV and AIDS successfully.

For all those reasons I am very happy and proud to be here with you. We
will fight the Stigma, we will promote HIV-testing and so we will end AIDS
at 2030.


Thank you all for your work! Together we’re strong!

Ein Beitrag für den IWWIT-Blog „Vom ersten Tag an führten wir eine offene Beziehung – die immer sehr eng war.“

Ich hab mich sehr gefreut als das IWWIT-Team mich fragte, ob ich einen kleinen Beitrag über meine Ehe mit dem besten Ehemann von allen* schreiben kann. (* Anleihe bei Ephraim Kischon)
Hier könnt ihr lesen, was daraus geworden ist, aber vorab noch einige Worte zu den Diskussionen, die auf der Facebook-Seite von IWWIT (ICH WEISS WAS ICH TU) geführt wurde. Die Beziehung mit meinem Mann ist unsere Beziehung und kein Vorbild, schon gar keine Empfehlung an andere. Jede*r muss für sich herausfinden und entscheiden, welche Beziehungsform passt. Beleidigungen sind da völlig unangemessen. Leider warf man mir vor, ich würde auf alles und jeden springen, der nicht schnell genug den Baum hoch kommt, oder auch dass es kein Wunder sei, dass ich HIV-positiv bin. Das finde ich alles schade, ich habe niemandem etwas getan und bewerte andere Beziehungen grundsätzlich nicht. Warum werde aber ich in diesem Fall so herabgewertet?
Aber lest selbst. Ein paar Kommentare könnt ihr unten dann lesen.
Und bei Interesse schaut mal auf http://www.iwwit.de/blog/ vorbei 😉
Anderen zu gefallen ist okay, darf aber nicht zum Kompass des eigenen Handelns werden. Fähnchen im Wind haben wir schon genug, findet Björn, der sich zu dem Thema „offene Beziehungen“ seine Gedanken gemacht hat.
Die meisten Männer haben gerne Sex, und bei schwulen Männern ist das nach meiner Erfahrung nicht anders. Eine Umfrage aus Großbritannien kommt zu dem Ergebnis, dass 41 Prozent von etwa 1.000 befragten schwulen Männern eine offene Beziehung führen, oder geführt haben. 75 Prozent davon finden diese Beziehungsform „großartig“. Auch wenn die Ergebnisse nicht komplett auf Deutschland zu übertragen sind, gibt es doch sicherlich sehr viele bei uns, die das ähnlich sehen. Ich lebe zum Beispiel auch in einer offenen Beziehung, außerdem kenne ich wenige wirklich monogame Schwule. Auf der Facebook-Seite von ICH WEISS WAS ICH TU ergab sich letztens unter einem Post zum Thema „Offene Beziehungen“ eine lebhafte Diskussion, an der ich mich dann beteiligte.
Ich war ziemlich überrascht wie sehr die Meinungen auseinandergingen und geschockt, wie hart diejenigen kritisiert und angegangen wurden, die in offenen Beziehungen leben. „Wieso denken Schwule eigentlich immer nur an Sex?“ „Man muss doch die Partner nicht wie Unterwäsche wechseln!“, oder „Dann braucht man keine Beziehung; da wird das Klischee über die Schwulen wieder komplett bestätigt“ konnte ich da lesen.
Es ärgert mich, dass manche Schwule ebenso homophob argumentieren, wie manche Heteros. 
Aufgefallen ist mir dabei, dass es eine Angst gibt, die Klischees zu erfüllen. Scheinbar gibt es eine ganze Reihe schwuler Männer, die sich eher anpassen als die eigene Bedürfnisse zu erkunden und authentisch zu leben. Studien zeigen etwa 57 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen gehen fremd. Bei schwulen Männern kann man sich die Wahrscheinlichkeit von „echter Treue“ (also auch in den so genannten monogamen Beziehungen, wo dann hinter dem Rücken des anderen fremdgegangen wird) also ausrechnen. Was ich mir allerdings sehr gerne anschauen würde, wäre die Zahl der Kommentatoren, die mich und andere kritisieren, selbst aber nicht anders handeln als ich … Kein Mensch hat das Recht über die Beziehung anderer zu urteilen!
Ich habe meinen Mann vor knapp fünf Jahren kennengelernt und es ging alles sehr schnell: nach einem Jahr waren wir verlobt, ein Jahr später verheiratet. Vom ersten Tag an führten wir eine offene Beziehung – die immer sehr eng war. Wir gehen in allen Dingen offen und ehrlich miteinander um. Genau das finde ich entscheidend: dem Partner nichts verheimlichen zu müssen. Wir schätzen diese Ehrlichkeit beide sehr, auch wenn das manchmal nicht ganz leicht ist.
Das Wort „offen“ bezieht sich auch auf unsere Kommunikation.
Aus meiner Sicht decken sich auch nicht unbedingt die sexuellen Bedürfnisse beider Partner, das müssen sie auch nicht. Es stört mich nicht, wenn mein Mann Dinge, die ich nicht mag, mit anderen macht – im Gegenteil. In offenen Beziehungen wird das jedenfalls thematisiert und das ist schon mal ein wichtiger Schritt. Wenn man sich nicht traut etwas anzusprechen, ist das ein Problem. „Offen“ bezieht sich auch auf unsere Kommunikation.
Allerdings hat mich die Schärfe der Kritik wirklich überrascht. Ich hatte das Gefühl für das „schlechte Bild“ der Schwulen in der Gesellschaft verantwortlich gemacht zu werden. Scheinbar habe ich einen wunden Punkt getroffen. Mein Mann und ich verstecken uns und unsere Bedürfnisse nicht, sondern leben sie aus und sind damit glücklich!
Etwas nicht zu tun, weil andere das bewerten, ist nach meiner Überzeugung der falsche Weg. Anderen zu gefallen ist okay, darf aber nicht zum Kompass des eigenen Handelns werden. Fähnchen im Wind haben wir schon genug. Wichtig ist mir dabei nochmal klarzumachen, dass ich nicht über andere urteile. Wer für sich entschieden hat, monogam zu leben, soll das tun. Jeder sollte den Weg gehen, der den eigenen Bedürfnissen entspricht. Kompromisse einzugehen, nur um nicht Single zu sein, oder Moralvorstellungen anderer zu erfüllen: Nein Danke!

Kommentare: 
"Wisst ihr was das nennt man Freunde mit gewissen Vorzügen das ist doch keine Partnerschaft !genauso bekloppt wie wir heiraten als beste Freunde wegen den Steuer Vorteilen!kann und will ich nicht verstehen!offene Beziehung ?nein danke!"
"Offene Beziehung für Leute die auch sex mit anderen brauchen , weil der eigene Partner nicht ausreicht. Ich brauche so was nicht. Mir reicht ein typ voll kommen aus."
"Wer fremdgeht ist das letzte. Es gibt entweder Beziehung, oder Freiheit. Ich war auch einmal so beziehungsunreif und meinte, offene Beziehung funktioniert. Bullshit!"
"Das man ,, Sowas,, überhaupt als Beziehung bezeichnet stößt bei mir auf Unverständnis. Entweder bin ich Single und hab mit Anderen Sex oder ich bin in einer Beziehung und habe nur den Einen. Nennt es lieber Freundschaft + , denn mehr ist das auch nicht."

Donnerstag, 19. Juni 2014

Queer?! Queer!

Ich wage mich mal an ein Thema, was mich nun seit einiger Zeit beschäftigt. Wie heterogen ist die schwul-lesbische Community, oder besser der Anteil der LGBTIQ in unserer Gesellschaft?

Das Wesentliche was Schwule und Lesben verbindet ist aus meiner Sicht nicht die 'homosexuelle' Identität, sondern die gemeinsame Situation sich Anfeindungen, Diskriminierungen und zum Teil sogar Strafverfolgung gegenüber zu sehen. Da es nicht 'die Lesbe' und 'den Schwulen' gibt, sehe ich ansonsten wenig Gemeinsamkeiten. Man hat sich also in einer Art Zweckgemeinschaft zusammengetan, um den vielseitigen Diskriminierungen zu begegnen und bekämpfen.

In den letzten Jahren hat sich unsere Regenbogen-Community immer weiter ausdifferenziert und eine langsam wachsende Akzeptanz für Menschen, die 'anders' sind, macht es vielen leichter zu sich zu stehen.

So wurde aus der schwul-lesbischen Community eine LGBTIQ-Community. Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und Queers. Wobei 'queer' eigentlich alle umfasst. Queer ist anders als der Standart.

Ich wurde in den letzten Wochen oft gefragt: "Was ist diese Conchita Wurst eigentlich?"
Und mein erster Gedanke war immer "Großartig!".

Conchita Wurst passt in kein richtiges Schema. Ein schwuler Mann, der auf der Bühne eine Frau imitiert. Das gibt es ständig. Meist sind die weiblichen Merkmale extrem betont. Conchita durchbricht das. Dezentes Makeup, kein ausgestopfter BH und dann der Bart. Das Markenzeichen. Eine Provokation. Es gibt hierfür keine Schublade, kein Klischee.
Warum sollte sich Conchita auch in eine Schublade pressen lassen?! 'That's what I am' sang sie und kommentierte "Ich bin, was ich bin und der Rest ist Wurst!" So ist der Name Programm und eine gesellschaftspolitische Aussage zugleich.

Für mich ist Conchita Wurst eine großartige, queere Person. 

Und auch der Begriff 'queer' ist großartig, weil er jedem einen Raum bietet. Ich muss mich nicht mehr in der engen, bunten, feiernden und ständig rumfickenden Schublade der Schwulen gefangen fühlen. Ich darf als Queer Sex mit Männern haben, ich darf Fussball schauen, Äppler trinken und ein Heinz Schenk-Fan sein. 

'Queer' bricht so alle Klischees auf und umfasst uns alle, ohne uns festzulegen, oder zu bewerten. Jeder kann so sein, wie er/sie/* will. Auch heute mal so und morgen anders. Es gibt keine Vorurteile für 'queer', weil es sie gar nicht geben kann. Das ist großartig!

Politisch gesehen, ist der Anteil von Queers in unserer Gesellschaft viel größer als nur Lesben und Schwule. Damit haben wir auch ein anderes Gewicht und können nicht so einfach ignoriert und übergangen werden. Aber auch diese queere Community ist noch lesbisch und schwul und trans* und und und....
Wir haben die gleichen Macht- und Ränkespielchen. Gerade wenn es um Fördermittel für Vereine geht. Gesellschaftliche Emanzipation ist kein einfacher Weg. Das merken wir jetzt, wo wir rechtlich weitgehend gleichgestellt sind. Zumindest gilt das für Lebenspartnerschaften. 
Queer bedeutet dann auch innerhalb der Community auf die Situation von Transgendern und Intersexuellen aufmerksam zu machen und Solidarität zu zeigen. Auch wenn ich als schwuler Mann fast schon Mainstream bin, kann ich nicht akzeptieren, dass junge Menschen mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen verstümmelt werden. 2014 in Deutschland. Unglaublich. Unerträglich!


'Queer' wächst noch, entwickelt sich und lässt sich nicht festlegen. So können wir alle in Ruhe lernen gemeinsam queer zu sein. Jede/r auf seine Weise.

Mittwoch, 30. Januar 2013

Alltagssexismus und andere Respektlosigkeiten

Ich bin wirklich erstaunt über die laufende Diskussion zu alltäglichem Sexismus in Deutschland. Aber mal im Ernst meine Damen, wir sind alle davon betroffen. Als schwuler Mann muss man täglich mit Sexismus kämpfen und sich wehren! Aber Männer gehen damit wohl generell anders um und sind auch irgendwie immer Opfer und Täter.

Ich habe gerade als junger Schwuler und dazu noch mit einer Turnerfigur ausgestattet jeden Tag mit Sexismus zu tun gehabt, wenn ich mich in der Szene bewegt habe. Kaum einer hat sich für mich als Mensch interessiert, ich war einfach oft "Frischfleisch". Das ist unglaublich verletzend und ich musste mir selbst Strategien erarbeiten, wie ich damit umgehen, oder besser diese Annäherungen umgehen konnte.

Im Lauf der Zeit stumpft man als schwuler Mann ab. Ich habe mir eine selbstbewusste, dicke Haut zugelegt und kann heute ausreichend gut kontern, wenn es mir unangenehm ist.

Männer sind eben gelegentlich hormonell übersteuert und vielleicht entwickelt sich so ein gewisses Verständnis für den anderen. Dennoch muss ein Nein vom Gegenüber akzeptiert und respektiert werden. Selbst wenn ich in eine schwule Sauna gehe, ist das nicht mit einem Freifahrschein gleichzusetzen mich anzufummeln! "Du willst das doch auch, sonst wärest Du nicht hier/hättest dir was anderes angezogen" oder so ähnlich, darf es einfach nicht geben!

Freud könnte uns dazu sicherlich einige hilfreiche Hinweise geben. Sexismus scheint mir auch oft ein Ausdruck der eigenen (gefühlten?! ;-) ) Position in der Hierarchie zu sein. Da fragt man sich doch, ob man den Weg aus dem Affenrudel zum Mensch in einer sozialen Gesellschaft wirklich geschafft hat ;-)

Wenn mir das passiert ist, habe ich mich immer wahnsinnig aufgeregt und geärgert, dass ich mehr zu bieten habe (naja hatte ;-) ) als einen Waschbrettbauch und dicke Oberarme. Das schien aber kaum einen zu interessieren. Irgendwann begann ich das zu meinem Vorteil zu nutzen. Und dann ertappt man sich hin und wieder dabei, wie schwer es manchmal sein kann, sein Gegenüber so zu respektieren, wie es einfach notwendig ist. Mit zunehmendem Alter nimmt man jüngere Menschen oft weniger Ernst und dann ist man auf einmal auf der anderen Seite des Geschehens. Eigentlich würde ich jetzt sagen "ich bin eben auch nur ein Mann", aber das kann es ja nicht sein. Im 21. Jahrhundert sind wir Männer nicht mehr Opfer unserer Hormone.

Leider geht dabei der gegenseitige Respekt dann völlig flöten, wenn man den Spieß umdreht. Und das ist das Gefährliche an der Sache: Wenn man sich nicht mehr respektiert, werden Grenzen überschritten, die wir für das Zusammenleben aber dringend brauchen.

Dennoch halte ich es für wichtig, dass man offensiv gehen solches Verhalten vorgeht. Ein Patentrezept gibt es da sicher nicht, aber zum Glück individuelle Beratungsangebote.

Fazit: Mehr Respekt - weniger Sexismus!


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Donnerstag, 1. November 2012

Adoptionsrecht für Lebenspartnerschaften - weil es um das Wohl und die Sicherheit des Kindes geht!

Je häufiger man über ein Thema spricht, desto weniger möchte man diese Gespräche führen - zumindest geht es mir meistens so. Beim Thema "Adoptionsrecht für Homosexuelle" war das ganz besonders nervig.
Ich habe selbst nicht vor ein Kind zu adoptieren und doch komme ich immer wieder mit dem Thema in Berührung.

Was mich besonders ärgert, ist die Bezeichnung in den Diskussionen und Medien. "Adoptionsrecht für Homosexuelle" - das ist inhaltlich schon falsch und polarisiert ganz offensichtlich bewusst.

Homosexuelle dürfen in Deutschland Kinder adoptieren. Generell dürfen auch Einzelpersonen Kinder adoptieren und in einer Lebenspartnerschaft dürfen die leiblichen Kinder eines Partners vom anderen auch adoptiert werden. Zum Wohl und der Absicherung des Kindes im Übrigen.
Allein die gemeinsame Adoption eines fremden Kindes beider Partner in einer Lebenspartnerschaft ist in diesem Land nicht möglich. Zum Wohl des Kindes? Diese völlig weltfremde Begründung hält sich leider hartnäckig in konservativen Köpfen. Wie kann es dem Kindeswohl zuträglich sein, wenn nur ein Erziehungsberechtigter für das Kind in einer Partnerschaft da ist? Der zweite Partner ist dann erstens nicht einfach weg, sondern allein im Notfall zu keinerlei Handlungen und Absicherung des Kindes berechtigt. Das ist das Wohl des Kindes???

Was unterscheidet denn die Bedürfnisse eines leiblichen Adoptivkindes von denen eines fremden Kindes, die diese Nicht-Absicherung durch einen zweiten Erziehungsberechtigten rechtfertigen würde?

Wenn man allein mit dem Wohl des Kindes argumentieren soll und die Bedürfnisse der Adoptiveltern völlig außer Acht lassen, komme ich bei allergrößter Anstrengung und Empathie als advocatus diaboli dennoch nicht auf ein einziges, tragfähiges Argument. Man kann hier nur aus der Sicht der Eltern argumentieren, denn externe Faktoren verändern sich bei einem adoptierten Stiefkind und einem adoptierten, fremden Kind nicht.

Es wird hier mit zweierlei Maß gemessen, dem Kind ein einer traditionellen Familie und dem Kind, dass in einer Lebenspartnerschaft erzogen wird und das Hänseleien, Mobbing und Sonstigem ausgesetzt ist, keine männlichen, oder weiblichen Bezugspersonen hat, und so weiter.

Wenn man schon Stereotypen bedient, warum vergisst man die Fußballer-Lesben, die dem Kind vielleicht 'männliche' Dinge beibringen, wie das Wechseln der Autoreifen, und die Tunte, die seiner (oder ihrer ;-) ) Tochter Schminktips gibt und beibringt, wie man einen perfekten Apfelkuchen backt?!

Kinder in Lebenspartnerschaften wachsen schließlich nicht in einer rein monosexuellen Blase auf und erleben die gleichen Hänseleien in der Schule, wie andere Kinder auch. Es wurde ja auch bereits wissenschaftlich belegt (1), dass diese Kinder keine Nachteile in der Entwicklung erleiden, oder besonderen Anfeindungen ausgesetzt sind.

Rational kann also kein Grund gegen ein gemeinsames Adoptionsrecht für Lebenspartnerschaften angeführt werden. Es bleiben also die emotionalen Gründe, die unter pseudorationalen Erwägungen ins Feld geführt werden. Zum Nachteil der Kinder!


(1) Rupp, Marina (Hrsg.) (2009): Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Bundesanzeiger Verlag, Köln.

http://www.bmj.de/DE/Buerger/gesellschaft/Lebenspartnerschaft/erbschaftssteuerLebensp_node.html

http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Aktuelles/DE/2012/FAQ-eingetragene-lebenspartnerschaften-20120820.html





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Samstag, 8. September 2012

Die CDU und die Lebenspartnerschaften. Und ich. Mittendrin.

Mich nervt diese Diskussion langsam.

Ich bin nun schon fast zehn Jahre Mitglied der CDU, engagiere mich innerhalb der CDU für deren Ziele, aber aber auch außerhalb. Ich kämpfe gegen Vorurteile gegen Schwule und Lesben und hatte fast schon das Gefühl, dass dieser Kampf in der CDU bald vorbei ist.

Die Diskussion der letzten Wochen ruft nun alle Hardliner auf den Plan und zeigt das Ausmaß der Homophobie (ein anderes Wort fällt mir nicht ein) innerhalb der Unionsparteien, und zwar in aller Schärfe.

Die Kritiker verstecken sich dabei hinter dem Schutz von Ehe und Kindern, erklären dabei noch, sie seien nicht homophob und verweisen auf die bisher mitgetragenen Gleichstellungen im Lebenspartnerschaftsrecht.
Allerdings verwehren sie den Lesben und Schwulen in Lebenspartnerschaften die Gleichbehandlung als Familie im Steuer- und Adoptionsrecht. Immer zum angeblichen Schutz von Ehe, Familie und der Kinder.

Schützt es die Ehe, wenn Außenstehende ungleich behandelt werden? Schützt es das Adoptivkind, wenn der Vater, oder die Mutter stirbt und der hinterbliebene Elternteil dann nicht mehr sorgeberechtigt ist?

Vor Kurzem hat die Union noch darüber diskutiert Partnerschaften ohne Kinder mit einer 'Demographie-Abgabe' zur Kasse zu bitten und gerade Paare mit Kinderwunsch (egal, ob hetero-, oder homosexuell) zusätzlich zu bestrafen.

Dies alles ist für mich Ausdruck einer grundsätzlichen Ideenlosigkeit auch in Zeiten knapper Kassen eine kreative und zukunftsweisende Familienpolitik zu gestalten. So bleibt man in alten, überkommenen Modellen verhaftet und verfällt orientierungslosen Aktionismus, anstatt die Lebenswirklichkeit anzunehmen und Politik so zu gestalten, dass sie jungen Menschen Anreize und ausreichend Sicherheit bietet eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen.

Der staatliche Schutz, die besondere Förderung sollte die Familien in den Fokus nehmen, die Kinder erziehen und somit auch auf diese Unterstützung angewiesen sind. Diese Förderung sollte nicht allein in steuerlichen Vorteilen spürbar sein, sondern umfassend.

Die Gesellschaft entwickelt sich immer familienunfreundlicher. Gerade wer beruflich erfolgreich sein will, kann Termine und Verpflichtungen nicht mit seiner familiären Verantwortung ablehnen, ohne dies als Schwäche ausgelegt zu bekommen. Gerade die Firmen, die Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, sind besonders beliebt und dadurch auch erfolgreich. In der Politik gilt dies leider nicht. Der Bundestag hat meines Wissens keine eigene Kinderbetreuung.

Jetzt wollen Lesben und Schwule auch als Familien anerkannt werden und mit den Ehen rechtlich gleichgestellt sein. Absolut verständlich.

Erschreckenderweise hat die Art und Emotionalität der Debatte dazu jetzt die Schärfe der Ablehnung gegenüber Lesben und Schwulen zutage gebracht. Ich hätte niemals erwartet, dass Argumente, wie sie angeführt werden, noch immer in den Köpfen unserer Entscheidungsträger herumschwirren und sich scheinbar dort hartnäckig festsetzen.

Dabei war ich bis vor einiger Zeit selbst noch davon überzeugt, niemals eine Lebenspartnerschaft einzugehen, weil es nicht zu meinem Leben passte. Entsprechend sah ich die Politik dahinter auch sehr pragmatisch und nüchtern. Dies hat sich plötzlich geändert als ich den Mann kennengelernt habe mit dem ich mein restliches Leben verbringen will. Jetzt fühle ich mich auf einmal diskriminiert, weil unsere Liebe und Fürsorge von einigen Menschen als minderwertig gesehen wird und man mir verwehren will in einer Beziehung zu leben, wie man es mir überall vorlebt, in meiner Familie, bei meinen Freunden und überall in der Öffentlichkeit. Ich möchte mit meinem Partner eine Beziehung leben, wie es meine Eltern und Großeltern tun. Ich will vor meiner Familie, meinen Freunden und vor dem Staat meine Liebe und Fürsorge für meinen Mann dokumentieren und dies feiern. Dazu gehört für mich selbstverständlich alle Pflichten einer Ehe zu übernehmen, und komme was wolle für meinen Mann einzustehen. Vom Staat erwarte ich genau diese kompromisslose Anerkennung dieser Beziehung, weil sie bis auf den Sex keinen Unterschied hat. Und mein Sexualleben geht den Staat nichts an, solange ich nicht mit dem StGB in Konflikt komme!

Niemand, der sich zu einer Lebenspartnerschaft entscheidet, tut dies aus finanziellen Gründen. Die Menschen, die aus Liebe und Fürsorge dem Partner gegenüber diese Beziehung dokumentieren und gegenseitig absichern wollen, dürfen nicht diskriminiert werden. Der Staat sollte froh sein über jede stabile Beziehung auch vor dem Gesetz, egal ob homo-, oder heterosexuell! Fast 50 Prozent der Ehen werden geschieden, und die meisten Kinder kommen heute nicht mit in den klassischen Ehen zur Welt.

Wie kann man ernsthaft auf Grundlage dieses Wissens gegen die Gleichstellung der Lebenspartnerschaften argumentieren und erklären, nicht homophob zu sein?!

Nach dem Grundgesetz sind alle Menschen gleich und ihre Würde unverletzlich. Das tun diese lauten, aggressiven Pseudofamilienschützer dennoch gerade. Sie verletzen meine Würde, und die Würde von Millionen Lesben, Schwulen und Bisexuellen. Das ist unerträglich!!!




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Mittwoch, 29. Juni 2011

Schwul und jüdisch in Deutschland

Die Frage nach der Situation von lesbischen und schwulen Juden in Deutschland erfordert eine differenzierte Sicht auf die Situation der jüdischen Gemeinden in Deutschland und dann der Jugendlichen in den Gemeinden. Literatur zum konkreten Thema findet sich in deutscher Sprache / auf die Situation in Deutschland bezogen praktisch nicht.

Die jüdischen Gemeinden in Deutschland sind zumeist sogenannte Einheitsgemeinden, die die drei wesentlichen Strömungen (orthodox, konservativ und reformiert/liberal) vereint. Dabei haben die Gemeinden oft die Befürchtung, das theologische Wissen zu verlieren, da oft mehr als die Hälfte der Gemeindemitglieder aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion stammen und zumeist kein theologisches, bzw. traditionelles Wissen über den jüdischen Glauben haben. Die Gemeinden holen so oft orthodoxe Rabbiner aus Israel, um das theologische Fundament zu erhalten. Die Erwartungshaltungen zwischen Rabbinern und Gemeinden bieten natürlich ein wesentliches Konfliktpotential – gerade auch in unserem Zusammenhang. Damit ist die Situation, der in Deutschland lebenden lesbischen und Schwulen Juden nicht vergleichbar derer in anderen Ländern.

Um gegen die orthodoxe Auslegung der Schrift zu argumentieren, ist es nötig sich auf die orthodox-theologische Sprache und Argumentationsweise einzulassen und sie im eigenen Sinne zu nutzen. Es braucht eine neue Sicht auf die Textstellen. Einige Ansätze sollen hier skizziert werden.

Die Sichtweisen der drei Strömungen (orthodox, konservativ, liberal/reformiert) unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander.

Grundlage der Kritik, oder vielmehr Verurteilung, von Homosexualität sind die beiden Stellen im dritten Buch Mose:

ואת-זכר לא תשכב משכבי אה תועבה הוא:

„Und beim Manne sollst du nicht liegen, wie man bei einem Weib liegt. Ein Gräuel ist das.“

(Lev, 18;22)

איש אשר ישכב את-זכר משכבי אשה תועבה עשו שניהם מות יומתו דמיהם בם:

„Und so jemand bei einem Manne liegt, wie man bei einem Weibe liegt, ein Gräuel haben beide getan. Sterben müssen sie. Ihr Blut über sie.“

(Lev, 20;13)



Im Talmud, der Sammlung wie die Thora auszulegen ist, finden sich noch Stellen, die diese Verbote noch bekräftigen (Sanhedrin), die Homosexualität leugnen (Kidduschin)oder dann auch relativieren (Nedarim):



„Du begehst einen Fehler“

„ein Verhalten, dass in die Irre führt“



Im Talmud wird aber auch der Grund erklärt, auf dessen Basis dieses Verbot interpretiert wurde (Yevamot):



„Kein Mann darf sich der Zeugung entziehen, sofern er noch keine Kinder hat.“



„Wer die Zeugungspflicht nicht erfüllt, ist mit einem Mörder zu vergleichen.“



Samen, der zur Zeugung bestimmt ist, darf nicht verloren gehen – weder allein noch beim Verkehr.



Dabei ist allerdings Analverkehr zwischen Eheleuten gar nicht verboten, sofern er nicht zur Verhütung, sondern zur sexuellen Befriedigung praktiziert wird. (Talmud, Nedarim). Das bedeutet schließlich auch, dass man Masturbation und auch homosexuellen Geschlechtsverkehr nicht im Sinne des „Verlustes von Samen“ verurteilen kann.



Was bedeutet das in den unterschiedlichen, theologischen Strömungen?



Orthodox:

Ein Leben in ständiger Sünde.

Homosexualität wird als Krankheit gesehen, die man behandeln muss. Denn es ist ebenfalls eine Sünde eine Krankheit nicht zu behandeln. Solange sie nicht ausgelebt wird, besteht keine weiterer Handlungsbedarf.



Heute wird Homosexualität allerdings gleichgesetzt mit der Nichtbeachtung anderer Gebote, wie der Schabbat-Ruhe, oder den Speisegesetzen.



Homosexuelle dürfen nicht mehr aus den Gemeinden ausgeschlossen werden.



Konservativ:

Hier wird Homosexualität nicht wesentlich milder gesehen, jedoch bewerten einzelne Rabbiner die Aufforderung zu sexueller Enthaltsamkeit als „unglaublich grausam“.

Außerdem macht man keinen Unterschied zwischen homosexueller Veranlagung und ausgelebter Homosexualität.



Liberal/reformiert:

Hier sieht die Praxis ganz unterschiedlich aus. Gerade weil man die Tora nicht als sakrosankt, also unveränderlich und somit fehlerfrei, ansieht.



Im Allgemeinen gibt es in reformierten Gemeinden keine Vorbehalte gegen lesbische und Schwule Gemeindemitglieder. Jedoch auch in einem liberalen Umfeld wird man nur selten die Segnung einer Partnerschaft erleben können.





Rabbi Ben Azzai (2.Jhrd.) vertrat schon in Talmudischer Zeit die Auffassung alle Gebote müssten in einem g’ttesebenbildlichen Schöpfungsverständnis interpretiert und angewandt werden:

ויברא אלהים את-האדם בצלמו אלהים ברא אתו זכר ונקבה ברא אתם:

Und G’tt schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde G’ttes schuf er ihn; Mann und Weib schuf er sie.

(Gen, 1; 27)



So wird die Liebe G’ttes zum Menschen in den Vordergrund gerückt und Homosexualität als von G’tt gegebene Eigenschaft des Menschen gesehen.



Das jüdische Morgengebet enthält in den Segenssprüchen einen Abschnitt, wo G’tt für die (eigene) Seele gedankt wird.



„Mein G’tt, die Seele, die Du in mich gegeben hast, sie ist rein, Du hast sie geschaffen, Du hast sie geformt, Du hast sie mir eingehaucht, Du behütest sie in mir, Du wirst sie einst von mir nehmen und sie mir in der Zukunft wieder geben. Solange die Seele in mir ist, danke ich Dir, Ewiger, mein G’tt und G’tt meiner Väter, Meister aller Werke, Herr aller Seelen. Gelobt seist Du, Ewiger, der Seelen den Toten wieder gibt.“



G’tt gibt uns eine reine Seele, und den Körper, den er dazu passend in seinem Bilde geschaffen und ausgesucht hat. Fehler sind so bei einer orthodoxen Herangehensweise nicht vorstellbar.



Interessant ist in diesem Zusammenhang ein genauerer Blick in die beiden Schöpfungsberichte.



In der ersten Entstehungsgeschichte wird jeder einzelne Tag der Schöpfung der Erde und der Kreaturen darin beschrieben. Das Ergebnis jedes Schöpfungstags (vom ersten bis zum fünften) wird mit „und er erkannte, es war gut“ beschrieben. Das Ergebnis des sechsten Tages wird nun, zum ersten und einzigen Mal als „sehr gut“ bewertet.

וירא אלהים את-כל-אשר עשה והנה-טוב מאד ויהי-ערב ויהי-בקר יום הששי:

„Und G‘tt sah was er erschaffen hatte, und erkannte, es war sehr gut. Und es ward Abend, und es ward Morgen: der sechste Tag.“

(Gen, 1; 31)



Ein Kapitel weiter, im zweiten Schöpfungsbericht, erkennt G’tt, dass Adam allein ist und dies ist „nicht gut“ – wiederum das erste und einzige Mal.


ויאמר יהוה אלהים לא-טוב היות האדם לבדו אעשה-לו עזר כנגדו:

„Und G‘tt sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm ein Gegenüber schaffen, dass er erkenne.“

(Gen 2; 18)



Der Text spricht dabei von einem „Gegenüber“ im partnerschaftlichen Sinne. Sich gegenseitig „erkennen“ symbolisiert dabei die Auffassung, dass zwei Menschen in einer Partnerschaft als zwei Hälften erkennen, die sich in der Partnerschaft zu einem Ganzen ergänzen.



Aber unter den Tieren, die G’tt geschaffen hatte, erkannte Adam keinen Partner.


ויקרא האדם שמות לכל-הבהמה ולעוף השמים ולכל חית השדה ולאדם לא-מצא עזר כנגדו:

„Da gab der Adam einem jeglichen Vieh und Vogel und allen Tieren des Feldes Namen; aber er erkannte keinen Partner, der ihm entsprochen hätte.“

(Gen 2;20)



G’tt überlässt es so offensichtlich dem Menschen, Adam, selbst seinen Partner zu erkennen. Und erst als er unter den Kreaturen der Erde keinen Partner erkannte, „der ihm entsprochen“ hat, legt G’tt ihn in einen tiefen Schlaf und erschafft Eva aus der Rippe Adams.



Wichtig ist dabei auch, dass „Adam“ übersetzt „Erdling“ bedeutet und erst durch die Erschaffung Evas (hebräisch Chava; „die Leben schenkende“) zu einem geschlechtlichen Wesen mit einem Gegenüber wird.



Als Schlussbemerkung habe ich eine Stelle der Kabbala gewählt, da sie unterstreicht, dass man Frau nicht nur weibliche, und als Mann nicht nur die klassisch-männlichen Eigenschaften als Stärke ansehen soll, sondern vielmehr nur dadurch Vollkommenheit erreicht, beides zu vereinen und anzunehmen.



„Der vollkommene Mensch besitzt die Stärke des Mannes und die Barmherzigkeit der Frau.“

(Kabbala, Sohar)



Wer verkörpert gerade das besser als eine lesbische Frau und ein schwuler Mann?!